Joachim Meyer - im Auftrag von Fürsten, Grafen und Herren

Aktualisiert: 30. Juli 2019



Da dann der gnädige Fürst und Herr mein Gemüt und meine Meinung auch dahin geführt hat, dass ich mit dem geringen Talent, welches der allmächtige mir mit Gnade mitgegeben hat, dem Vaterland meinen schuldigen Dienst erweisen möchte, und ich dann (ohne Ruhm zu melden) die löbliche Ritterliche Kunst des Fechtens nicht nur von künstlichen berühmten Meistern erlernt habe, sondern auch nun eben lange Jahre getrieben habe und darin etliche jünge Fürsten, Grafen, Herren und vom Adel unterwiesen habe. Und dann wurde ich von ihr F.G.G. und Festen[1] mehrfach gnädig und günstig ersucht , dass ich die gemeldeten löblichen Fechtkünste in eine gewisse Ordnung verfassen und dieselbige durch den Druck öffentlich publizieren und vielen Leuten unserer Nation zu Nutzen ans Licht kommen lassen soll. So habe ich solchem gnädigen und günstigen Ansuchen mich nicht länger wiedersetz und habe also im Namen und durch väterliche Verleihung des Allmächtigen dasjenige, was ich in angezogener löblicher Kunst in vielen Jahren mit Mühe und Arbeit erlernt und erfahren habe zusammengetragen und nach meinen Möglichkeiten in eine für alle verständliche Ordnung in diesem Traktat vereinigt. In der tröstlichen Hoffnung es soll damit vielen Personen hohen und niederen Standes, die zu der Kunst des Fechtens Liebe und Lust und Willen haben, zum Guten und Wohl dienen. In der Hoffnung, dass mein Wissen (ohne jemand anderes zu schmälern) dieser Kunst in deutscher Sprache nie verloren gehe.

[1] F.G.G. = Fürsten, Grafen, Gnaden und Adligen. Der Begriff „vest“ wurde oft für adlige benutzt. Wie etwa „der edel und fest Meister Stettner“.

Joachim Meyers gedrucktes Werk enthält ein umfassendes Vorwort, in welchem er sein Werk an seinen Landesherrn und wohl auch Gönner den Pfalzgrafen bei Rhein und Herzog in Bayern Johann Kasimir widmete. Dieses Vorwort, sowie seine Vorrede am dem Leser sind der Inbegriff seines Charakters, seines Ansinnens, seiner Fechtideologie und Fechtdidaktik. Sie sagen uns am meisten über den Menschen Joachim Meyer.

Das von mir oben angeführte sinngemäß übersetzte Zitat befindet sich in der zweiten Hälfte des Vorwortes. Hier erklärt er vor allem, warum er dieses Buch überhaupt schreibt. Und dieses Vorwort ist eine wichtige Quelle, die zeigt, welche Stellung Bedeutung Meyers Wissen zukommt.

Sehr oft wird behauptet, dass Joachim Meyers Fechtkunst nur die Darstellung eines unwissenden Fechters sei, der dieses Buch nur aus kommerziellen Gründen und als Regalfüller für wohlhabende Herren geschrieben habe. Weder aus seinem Fechtbuch selbst, noch weniger aus seinem Vorwort und seiner Vorrede lassen sich auch nur annähernd solche Beweggründe erkennen. Im Gegenteil. Meyer beschreibt ein enges Verhältnis zu verschiedenen Fürsten, Herren, Grafen und anderen Herren von hohem Stand, die ihn dazu gedrängt hätten, die Fechtkunst in einer festen Struktur in einem gedruckten Werk zu veröffentlichen. Er fügt sogar hinzu, dass er sich „nicht länger wiedersetzt“ habe. Eine Zeit lang wollte er dies wohl gar nicht tun. Gründe gibt er leider keine an. Hier können nur unzureichende indizienarme Vermutungen angestellt werden, die der Forschung nicht dienlich sein würden. Diese enge Beziehung zu Fürsten kann jedoch keine Übertreibung von seiner Seite sein, denn zum einen hätte dies einen großen Affront bedeutet in einem öffentlich zugänglichen Werk solche Falschbehauptungen gegenüber Herren zu erklären und zum zweiten wissen wir aus anderen Werken von ihm, dass er durchaus für andere von Adel gearbeitet hat, wie etwa aus seiner Handschrift für den Grafen Otto von Solms von ca. 1560 hervor geht. Zudem bekam er kurz vor seinem Tot eine Anstellung als Fechtmeister am Hof des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg. Vermutlich aus diesem Verhältnis nach Mecklenburg ist uns auch seine bedeutende Sammelhandschrift (Rostock, Universitätsbibliothek Mss. var. 82 ) zu verschiedenen Lehren in der Universitätsbibliothek in Rostock erhalten geblieben. Meyer gibt ferner an, dass es ihm darum geht sein Wissen weiterzugeben, damit es den "Teutschen" bzw. der "Nation" und anderen Fechtern egal welchen Standes ein Nutzen sei. Es sei ihm auch wichtig, das das zusammengetragene Wissen "in deutscher Sprache nie verloren gehe". Ein Wunsch, der ihm bisher erfüllt werden konnte. Joachim Meyer hatte für die Verwirklichung dieses Druckes hohe finanzielle Investitionen auf sich genommen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es ihm um sein Lebenswerk und seine schriftliche Hinterlassenschaft ging. Nicht etwa darum, mit den Büchern viel Geld zu verdienen oder ein schönes Buch für die Regale edler Herren zu schaffen. Er hat ein Lehrbuch geschaffen, dass die Fechtkunst des deutschsprachigen Raumes strukturiert von klein auf vermittelt. Und man muss sagen, dass im dies besser gelungen ist, als vielen nachfolgenden Fechtautoren. Die Besonderheit in seinem bleibt ferner, dass es das einzige tatsächliche LEHRBUCH der "Deutschen Fechtschule" darstellt. Womit kein fester standardisierter Fechtsil gemeint ist, sondern Fachbegriffe und Prinzipien, die im gleichen Sprachraum ähnlich und/oder gleich waren. So wie wir es später etwa in anderen Schulen finden. Sie etwa der italienischen, spanischen oder französischen "Schule".

Man kann also sagen, dass es sich um das Lebenswerk eines Fechtmeisters handelte, der von Fürsten, Grafen, Herren anderen Adligen und Bürgern gleichermaßen in seinem Handwerk in höchster Form geachtet wurde. Ein Fechtbuch, welches einzigartig und für das Erlernen der deutschsprachigen Fechtkunst des 14.-16. Jahrhundert einzigartig ist und dessen Prinzipien bis heute gelten und somit auch zeitlos bleiben werden.


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