Sicherheit im (Historischen) Fechten - Von Glück und Verantwortung

Aktualisiert: 30. Juli 2019



Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, an dem ich das erste Mal im scharfen Schuss trainiert wurde. Noch besser aber an den Tag meiner Prüfung zum Schießlehrer im Gefechtsschießen, also dem Training von realistischen Gefechtsszenarien mindestens im Gruppenrahmen von ca. 10-12 Personen, natürlich mit scharfer Munition.

Warum ich mich so gut daran erinnere? Ganz einfach. Weil ich zum einen gewaltigen Respekt vor den an mich gestellten Herausforderungen hatte, weil ich Angst davor hatte, dass es zu Unfällen kommt und vor allem auch, weil wir unglaublich viel Zeit in das Thema Sicherheit steckten. Wir hatten intensive theoretische Trainings und trainierten Wochenlang von morgens bis abends Abläufe, um die HÖCHSTMÖGLICHE SICHERHEIT gewähren zu können. Wir mussten natürlich auch die bestmögliche und sicherste Ausrüstung tragen und beherrschen. Es ist einfach unglaublich zeitintensiv. Aber es lohnt sich! Auch ich habe bereits erlebt, wie Geschosse nur wenige Meter neben mir einschlugen. Ohne unsere Sicherheitsregeln, hätte dies ein böses Ende nehmen können. Dies ist nur eines von vielen Beispielen. Sicherheitsbewusste Ausbildung, entsprechendes Material aber auch die Sensibilisierung für die Folgen sowie die Verteilung von Verantwortung sind Themen, die für jede Form von Kampf essenziell sind.

Was dies mit Historischem Fechten zu tun hat? Nun ganz einfach. Wir trainieren sportliche Formen des Kampfes und haben daher ähnliche Grundsätze. Nur wenige möchten Einbußen in Job, Familie oder Gesundheit hinnehmen. Und im Unterschied zu jenen, die Kampf als Beruf betreiben, sollen wir auch niemandem gezielt verletzen. Sicherheit sollte daher noch mehr im Fokus stehen!

Etablierte Kampfsportarten machen uns dies in Form von Qualität und Professionalität vor. Schauen wir einfach auf das artverwandte olympische Fechten, welches letztlich nur eine Weiterentwicklung der historischen/klassischen Fechtformen ist. Die seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stark vereinfachten Waffen Säbel, Degen und Florett haben noch immer eine verletzende Wirkung auf unseren Körper, wenn wir diesen nicht schützen. Die Kräfte, die im olympischen Fechten wirken, sind dabei um ein vielfaches geringer als jene, die im Historischen Fechten wirken können. Doch unterschätzen wohl viele die nicht sichtbaren Hämatome der olympischen Fechter. Gerade im Bereich der Säbelfechter.

"Sicherheit im Olympischen Fechten ist ein großes Thema!"

Sicherheit im Olympischen Fechten ist ein großes Thema und auf die Bereiche Training, Material und Regeln/Verhalten aufgeteilt. Diese Bereiche sind historisch schon seit mehreren Jahrhunderten gewachsen.

"Trotz vielfach geringerer Kräfte und Belastungen ist der Fechter bei Olympia besser geschützt als wir."


Beginnen wir mit dem Bereich Material. Die ältesten Versuche Material für ein sicheres Training zu gewährleisten gehen im Fechten schon bis ins Mittelalter, wenn wir sehen, dass bereits im frühen 15. Jahrhundert für das Training abgewandelte, stumpfe und mit einem Schild versehen Übungsschwerter gebraucht wurden, deren Spitzen begradigt wurden. Auch wissen wir aus den Schriften Joachim Meyers, dass im deutschsprachigen Raum der Stich nur im Ernstkampf und im Krieg gestattet war, sodass diese in Übungskämpfen nicht durchgeführt wurde, sondern nur im Techniktraining und Solotraining. Zusätzlich wissen wir aus verschiedenen bildlichen Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert von gepolsterten Handschuhen und Klingenspitzen, die zunehmend mit schützende Aufsätzen versehen wurden. In den jüngeren Jahrhunderten sehen wir dann erste Plastrons, welche Lehrer tragen um dem Schüler den Stoß üben zu lassen und sehen biegsame Übungsklingen. Wir sehen erste Masken aus Drahtgitter um die Gesichter zu schützen und erkennen zunehmend gepolsterte Jacken, um den Körper vor Hieben zu schützen. Anstatt den Fechter in seiner Duellkleidung darzustellen, wird dieser zunehmed in seiner Trainingskleidung dargestellt, was uns zeigt, dass man seit jeher versuchte in der Ausbildung einen guten Schutz zu gewährleisten. Der beste Schutz entsteht jedoch durch Standardisierung und feste Schutzmaßnahmen. Meist ist dies jedoch nur möglich, indem sich Organisationen die eine entsprechende Machtposition haben, durchsetzen und auf solche Reglements und Standards beharren. Im Fechten ist dies die 1913 gegründete Fédération Internationale d’Escrime (FIE), welche der vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannte internationale Dachverband wurde. Ihr gehören 149 nationale Verbände an. Die FIE setzt seit jeher eine Standardisierung von Sicherheit durch, indem sie traditionelle Verhaltensmuster und moderne Materialkunde verbindet. So werden die Eigenschaften von Klingen, Masken, Handschuhe und Hosen vorgegeben und müssen verschiedene Belastungsziele erreichen. Für die nur wenige hundert Grann wiegenden modernen Fechtgeräte muss ein Fechter etwa am Oberkörper einen Gesamtschutz von 1600N nachweisen. Dies wird durch eine Fechtjacke von 800N sowie einen Unterziehplastron von wiederum 800N erreicht. Zudem tragen einige Fechter(vor allem Damen) ein Plastron aus Kunststoff, um den Oberkörper zu schützen. Das Gitter der Fechtmasken weist über 3000N auf und der Latz wiederum 1600N, was plus Jacke und Plastron auf 3200N kommt. Trotzdem muss auch die FIE weiter an sich arbeiten, wie man jüngeren Debatten um neue Handschuhstandards, Masken aus Plexiglas und die neuen Verschlüsse am Hinterkopf der Masken entnehmen kann.

"LEIDER kommen neue Standards meist erst durch Verletzte oder Tote!"

Man kann aber leider auch sehen, dass sich viele Standards erst nach Unfällen etablieren lassen, weil sich dem Anschein nach ein Großteil der Leute ohne eigene Unfälle sicher fühlt. Ein gutes Beispiel kann hier etwa der Fall des spanischen Säbelfechters Jaime Marti sein, welcher 2011 in einem Training für Olympia vom Säbel seines Trainingspartners trotz Schutzausrüstung durch die Hand gestochen wurde.[1] Erst dieser Unfall schien die FIE dazu zu bewegen, den erst jüngst eingeführten Standard für Fechthandschuhe im Säbelfechten festzusetzen. Im gleichen Artikel dazu wird auch auf den Fall der Plexiglasmasken hingewiesen.

"Erst 2009 hatte es Diskussionen um die Sicherheit im Fechten gegeben. Bei der Junioren-EM hatte eine Klinge die damals neu eingeführten transparenten Masken durchstoßen und einen Fechter leicht verletzt. Nach heftigen Protesten hatte der Weltverband FIE erst wenige Monate später das Tragen der Masken in den Disziplinen Degen und Florett verboten."

"Schutzklassen sind von der FIE und auch der EU vorgeschriebene, geprüfte und zertifizierte Standards."

Schutzklassen sind von der FIE vorgeschriebene, geprüfte und zertifizierte Standards." Das Material, welches die FIE vorschreibt, muss für ihre jeweiligen Schutzwirkung auch geprüft und zertifiziert werden, was in der EU wiederum durch die Konformität sichergestellt wird, welche alle in der EU hergestellten und vertriebenen Artikel mit Schutzwirkung haben müssen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben! Auch dies macht olympisches Fechten zu einer der sichersten Sportarten. [2]

Neben dem Material, gibt es im Kampf aber eine viel unberechenbarere Größe. Und diese ist der Mensch selbst. Sein Verhalten, seine charakterlichen Eigenschaften und seine Einstellung sind es, die Kampf prägen. Kämpfen ist seit jeher fest mit Regeln und Ritualen verbunden. Die meisten dieser Regeln und Rituale haben einen Bezug zu Sicherheit oder einem ehrenhaften Verhalten. Regeln und Rituale sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit stets dort bleibt, wo sie hin gehört, also dort, wo Gefahren bestehen. Sie sorgen dafür, dass die Gefahren minimiert werden. So hat das Salutieren oder Angrüßen auch den Zweck zu überprüfen und sicherzustellen, dass alle am Gefecht Beteiligten bereit sind, damit nicht plötzlich ein Fechter den Kampf beginnt, während der Andere nicht vorbereitet ist. Beim Militär gibt es beim Schießen feste Sicherheitsregeln. So sind auch hier die Handgriffe und Abläufe vor, und nach der Schussabgabe festgelegt. So prüfen Schützen stets im vier Augen Prinzip gegenseitig, ob die Waffen korrekt entladen wurden. Natürlich könnte man jetzt sagen, man erwarte von einem Krieger, der 13 Jahre lang Schießen gelernt hat, dass er das beherrscht. Das tut er auch. Aber es geht hier um Unfälle. Um Fälle, in denen jemand vielleicht nicht bei der Sache ist, verletzt ist, abgelenkt ist etc. . Und es gibt genug Unfälle! Auch mit Toten!

Bereits aus dem 19. Jahrhundert sind vorgeschriebene Trageweisen der Fechtgeräte im Fechtsaal bekannt. Bereits aus dem 16. Jahrhundert sind in den Fechtregeln von Meister Rösener Verhaltensregeln bekannt.[3] Um nur einige zu zitieren:

"Sobald ihr euch des Fechtens nehmet an, Kein Nestel sein zugetan, und gar nichts auf dem Haupte han.

Nehmt keinem aus der Hand sein Wehr, bittet erst um Erlaubnis vom Meister.

halt fest due Wehr, lass keine fallen, fallt auch selbst nicht, seid bedacht in allen.

Auch mit Ungestüm kein Wehr zerschlag,

mit Sitten euer Arbeit vortragt.

Sollt auch durchaus keinen andern spotten, in der Übung, es ist verboten."

"Verantwortung ist eine VERPFLICHTUNG!"

Zuletzt möchte ich nun noch auf das Thema Verantwortung Bezug nehmen. Verantwortung zu übernehmen...

ist die Verpflichtung gegenüber einer Sache, Stellung, Personen oder Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht.

Es ist die Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen [und sich zu verantworten]

"Er/sie trägt die volle, die alleinige Verantwortung für den Unfall, für die Folgen"

In jeder sportlichen Tätigkeit gibt es zu jeder Zeit und für jede Handlung einen oder mehrere Verantwortliche(n). Und dies sind stets jene, die sich dazu verpflichtet haben oder wurden. Wie man in Verantwortung kommt, kann also sehr unterschiedlich sein. Wichtig ist jedoch, dass die Verantwortung geklärt und festgelegt wird. Also ein Standard gesetzt wird. Es ist darüber hinaus zu unterscheiden zwischen Verantwortung im rechtlichen Sinne und im sozialen Sinne. Natürlich kann ich mich meiner Verantwortung in gewissen Bereichen entziehen, indem ich per Unterschrift versuche diese zu delegieren. Doch Verantwortung lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad delegieren. Verantwortung kann man nur bis dorthin delegieren, wo man selbst keinen Einfluss mehr nehmen kann. Jeder Ausbilder, Lehrer, Trainer und jeder Organisator, Projektplaner ist ab dem Moment, wo er für sich und andere Menschen verantwortlich ist eine Führungspersönlichkeit. Egal ob man das will oder nicht. Mit Führung ist stets Verantwortung für jene verbunden, die den eigenen Anweisungen folgen müssen oder wollen. Diese Verantwortung an "den guten Verlauf" der jeweiligen Sache (Training, Unterricht, Wettkampf, Seminar etc.) kann nicht delegiert werden. Auch rechtlich nicht! Sowohl im Training als Lehrer, als auch im Wettkampf als Organisator ist es meine Verpflichtung für die bestmögliche Sicherheit der Teilnehmer zu sorgen. Maximal kann diese Verantwortung auf das Tun und Handeln der jeweiligen Einzelpersonen delegiert werden.

Durch das vorgeben von Regeln, Ritualen und Material muss es mein Ziel sein, die Sicherheit in höchstmöglichem Maße sicherzustellen. Denn mit der Verantwortung kommt auch die Verantwortung für Unfallfolgen. Ich hoffe nur, dass sich jeder Trainer, jeder Organisator intensiv mit einem Versicherungsberater seines Vertrauens auseinandergesetzt hat, um diese Frage zu klären. Ebenso mit einem Anwalt seines Vertrauens. Denn wenn unter 100 Veranstaltungen die eine kommt, in welcher ein schwerer Unfall passiert, dann wird die erste Frage sein, "Wer ist für die Veranstaltung verantwortlich?". Die zweite Frage wird sein, "Was habt ihr getan, damit dies verhindert werden konnte?". Und selbst wenn ihr rechtlich gut abgesichert seit, hilft euch das nicht, wenn ihr nicht das beste getan habt, was durch Regel/Rituale und Material möglich gewesen wäre. Und selbst wenn ihr das getan habt, dann werden euch Freunde, Eltern, Ehepartner und Kinder des verletzten Fragen, was ihr dafür getan habt, so einen Unfall zu verhindern. Und je mehr dann ersichtlich wird, dass dies möglich gewesen wäre. Und je mehr sichtbar wird, wie einfach das gewesen wäre, umso mehr werdet ihr im rechtlichen und/oder sozialen Bereich eurer Verantwortung bewusst. Doch dann ist es bereits zu spät. Denn selbst wenn das alles bedacht wurde, dann bleiben da stets die Selbstzweifel. Schaut in anderen Sportbereichen, schaut in anderen Bereichen, wo Sicherheit wichtig ist. Und schaut auf die Verantwortlichen bei Unglücken. Selbst wenn stets das Beste getan wurde, gab und gibt es stets genug, die mit der Verantwortung und Schuld psychisch nicht klar kommen. Viele werden das jetzt lesen und für übertrieben halten. Gerade diese sollten sich diese Sache bewusst werden. Ich habe Führungspersonal ausgebildet und weiß aus meinem Metiér darum, wie sich Verantwortung anfühlt. Und es gibt genug Menschen, die diesen Punkt unterschätzt haben und dann an den Folgen einer solchen Situation psychisch zerbrochen sind. Es muss nicht immer die schlimme Todesverletzung sein. Wer einem anderen mit seinem Übungsgerät etwa in die Axel sticht, weil sein Trainingspartner die falsche Kleidung trug oder diese kaputt war und diese schwer verletzt, es blutet etc., der kann davon ein schweres Trauma davontragen. Und all dies vielleicht nur, weil das Material nicht vorgeschrieben und/oder nicht geprüft wurde. Weil vielleicht jemand gesagt hat...

"Das machen die bei anderen Turnieren auch nicht und da ist noch nie etwas passiert!"

"Ein paar Blaue Flecken gehören doch dazu!"

"Auch früher hatten sie nur ein Wams!"

"Unsere Schwerter sind ja nicht so dünn und spitz wie im olympischen Fechten!"

"Die biegsamen Klingen wabbeln mir zu sehr!"

"Ich will meine steife Klinge nehmen! Ich kann ja nicht für jedes Turnier eine andere nehmen!"

"Wer dabei mitmacht, der kennt die möglichen Folgen und hat dafür selbst die Verantwortung!"

"Es ist noch nie etwas schlimmes passiert!"

Das sind aktuelle Themen. Aber das nie etwas passiert, zeigen diese Bilder aus dem Netz vorzüglich.

In der Facebookgruppe "Spoils of war" findet ihr genug schlechte Beispiele, bei denen die Fechter sogar noch heroisch ihre Wunden zeigen. Aus meiner Sicht ein sehr verkehrtes Bild, das nur Menschen zeigen, die mit dem Thema Gewalt und Verwundung in keiner Weise Verantwortung und Respekt verbinden. Viele wollen natürlich auch in der Öffentlichkeit nicht den inneren Ärger darüber zeigen. Es ist also eine Frage der Einstellung. Einstellung wiederum ist eine Frage der Erziehung und der Formung von Werten und Normen. Und dafür wiederum sind jene Menschen verantwortlich, die als Führungspersonen in jenem Momenten in Verpflichtung sind. Organisationen (Verbände, Schulen, Vereine) sind dafür verantwortlich den Rahmen an Regeln, Normen und Material zu setzen und die Leiter von Training, Gefecht und oder Wettkampf sind für die Einhaltung und Durchsetzung dieser verantwortlich. Die Fechter wiederum sind dafür verantwortlich, sich an die Vorgaben zu halten. Eine sehr allgemeine, simple, logische und erprobte Hierarchie.

Bei Erwachsenen wird es schwierig ein solches Umdenken zu erzielen, da diese meist bereits einen Kanon an Werten und Normen erlernt und gefestigt haben und oft nur bedingt bereits sind diese zu erneuern. Stets nur dann, wenn es ihren persönlichen Motiven entspricht.

"Kinder sind auch hier unsere Zukunft!"

Aber gerade bei Kindern und Jugendlichen können wir wirken und Ihnen diese wichtigen Werte und Normen mit auf den Weg geben.

"BISHER läuft vieles unprofessionell und gefährlich!"

Damals wie heute sind also Material und Verhalten die wichtigsten Grundpfeiler eines sicheren Fechtens. Und gerade heute, wo das Fechten eine sportliche Freizeitaktivität darstellt, sollte Sicherheit an erster Stelle stehen. Für mich ist es zusätzlich von besonderer Bedeutung, da ich ein umfassendes Kinder- und Jugendtraining durchführe. Und jene unter euch, die wie ich bereits Kinder haben, können sich fragen, was sie sich für die Sicherheit ihres Kindes im Fechtunterricht wünschen.

Schauen wir uns aktuelle Sicherheitsbestimmungen von Vereinen und Turnieren an, dann sehen wir schnell, dass diese nicht einmal die Mindestanforderungen der FIE an Fechtausrüstung entsprechen! Und das obwohl unsere Fechtgeräte das doppelte bis dreifache Gewicht haben, also die Kräfte weitaus größer sind, die wirken.

Nehmen wir etwa den Oberkörperschutz. Der Oberkörperschutz in der FIE ist für Degen, Florett und Säbel ausgelegt, die ein festgelegtes Biegeverhalten haben müssen und die nur wenige hundert Gramm wiegen. Für diese Biegeverhalten gibt es einen sehr simplen Test. So wird etwa der Säbel mit dem Griff an einem Gerät in horizontaler Lage fixiert. Dann wird an seine Spitze ein Gewicht von 200 Gramm gehängt. Dabei muss er sich mindesten 5,5 cm und höchstens 9,5 cm durchbiegen und anschließend in seine Ausgangsform zurück kommen. Der genaue Wortlaut ist wie folgt:

"Die Klinge muss eine elastische Durchbiegung von mindestens 5,5 cm und höchstens 9,5 cmaufweisen, die folgendermaßen zu messen sind:

  • Die Klinge wird in 70 cm Entfernung vom äußersten Ende der Spitze horizontal fest eingespannt.

  • Ein Gewicht von 200 g wird 3 cm vom äußersten Ende der Spitze entfernt aufgehängt.

  • Die Durchbiegung wird am äußersten Spitzenende zwischen den Stellungen im belasteten und im unbelasteten Zustand gemessen.

  • Die Klingenrille muss sich oben befinden.

  • Die eventuelle Durchbiegung muss regelmäßig und darf auf jeden Fall nicht größer als 1 cm sein. Sie darf nur in der Vertikalen verlaufen und muss nahe der Klingenmitte liegen."

Wir reden hier also von Fechtgeräten(Säbeln), die maximal 500gr als Gesamtgewicht haben dürfen. Das schwerste Fechtgerät ist der Degen, welcher maximal 770gr wiegen darf. Nicht von Langen Schwertern, die auf Turnieren meist 1,4kg aufwärts wiegen.

Und für diese sehr biegsamen und leichten Klingen ist die obige Schutzausrüstung am Oberkörper von 800N Plastron, 800N Fechtjacke vorgeschrieben!

Und es gibt tatsächlich noch immer Wettkämpfe, auf denen die Biegsamkeit egal ist, ein Schutz der Spitze nicht erwünscht ist und Fechter mit einem Wams aus dem Reenactment antreten dürfen.

Von Verantwortungsbewusstsein kann hier in keiner Weise die Rede sein. Vor allem dann nicht, wenn man sieht, dass zumindest die Schutzausrüstung aus dem Sportfechten schon längst vorhanden ist.

"Der Wechsel kommt erst mit einem Bewusstseinswandel oder mit KINDERSPORT!"

Erst wenn den Fechtern bewusst wird, welches große Risiko sie da eingehen, dann werden sie merken, wie gefährlich es aktuell ist. Und gefährlich ist nicht der Sport, sondern die Unfallmöglichkeit.

"Von Glück kann keine Rede mehr sein!"

Von Glück kann auch schon keine Rede mehr sein. Obige Bilder zeigen genug auf, dass es ausreichend Fälle gibt, in denen die Ausrüstung nicht genügend war. Und sie zeigen vor allem, dass es genügend Unfälle gibt.

"CE-Zertifizierung für Schutzausrüstungist Pflicht in der EU!"

Jede in der EU vertriebene Schutzausrüstung muss das halten, wofür sie hergestellt wurde. Ausrüstung/Produkte die dem persönlichen Schutz dienen bzw. zu diesem Zweck verkauft werden, müssen die versprochene bzw. notwendige Schutzwirkung auch haben. Die Hersteller haften dabei für Ihre "Versprechen". Entsprechend EU-Verordnungen mus Jede in der EU hergestellte, verkaufte oder in die EU importierte Persönliche Schutzausrüstung die CE-Kennzeichnung tragen! Diese sichert dem Kunden/Käufer zu, dass der Hersteller sich diesen Maßgaben bewusst ist. Und es ist für uns Verbraucher sehr gut, dass dies rechtlich vorgeschrieben ist. Viel Spaß dabei eine Ausrüstung zu finden, die vom Hersteller explizit für das historische Fechten angepriesen und mit CE-Zeichen versehen ist. Erst kürzlich ist diese Debatte seltsamerweise aufgekommen. Über Nacht waren die Osteuropäischen Produkte ausgewiesen, weil sie seit Jahren nicht den EU-Recht entsprochen haben. Also widerrechtlich vertrieben wurden. Und seltsamerweise gab es nur wenige Tage später bereits und nur noch einen Hersteller aus Osteuropa, der das CE bereits fertig hatte, was eigentlich mit allen Prüfverfahren länger als zwei Tage dauern dürfte.

Viele Hersteller handeln/handelten also rechtswidrig! Indem sie Schutzkleidung nicht gemäß ihrem Gebrauch als solche gekennzeichnet haben. Wenn ihr jetzt daran denkt, was ich oben zu Verantwortung geschrieben habe, wenn es zu einem Unfall kommen sollte. Stichworte Ausrüstung, Versicherung, Anwalt, Familie. Dann hat man vor allen Akteuren, für die man der Verantwortliche ist, keine Argumente mehr vorzutragen!

"Regeln, Normen, Werte, Verantwortungsbewusstsein und Materialsicherheit sind Pflicht und Phylosophie bei IN MOTU!"

Bei mir an der Schule lege ich Wert auf unsere Sicherheitsbestimmungen, Umgangsformen und Rituale, die Werte und Normen als Sportler und als Bürger nach dem Grundgesetz. Zusätzlich arbeiten wir nur noch mit CE-Zertifizierter Schutzausrüstung, die ausdrücklich für das (Historische) Fechten ausgelegt ist und gemäß den geltenden Bundes- und EU-Richtlinien genutzt werden darf. Wir sind auch mitten in der Entwicklung eines Systems von neuer Ausrüstung, welche in Verbindung mit den passenden Regeln, der entsprechenden Ausbildung und der Prägung durch die dazu gehörigen Werte und Normen die Sicherheit der Fechter stark verbessern soll.

"NICHTS ist wichtiger als die SICHERHEIT meiner Schüler!"


[1] https://www.welt.de/sport/article13448585/Hand-durchbohrt-Muss-es-erst-einen-Toten-geben.html

[2] https://i1.wp.com/academyoffencingmasters.com/blog/wp-content/uploads/head-and-legs-injuries-stats.jpg

[3] https://www.in-motu.de/single-post/2017/10/17/Verhalten-in-der-Fechtausbildung-anno-1589, http://fechtgeschichte.blogspot.de/2011/08/ein-lobspruch-auf-die-fechtkunst-das.html, https://opacplus.bsb-muenchen.de/metaopac/singleHit.do?methodToCall=showHit&curPos=1&identifier=100_SOLR_SERVER_1402173188

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