Es gibt nicht DIE EINE METHODE! - wie Profis wirklich trainieren

Aktualisiert: 30. Juli 2019



Während in der HEMA-Szene lange Zeit und bei vielen noch heute die Inhalte, und Interpretationen, als das "WAS" den Schwerpunkt des Fechttrainings bilden, weiß ein jeder qualifizierte Ausbilder, dass ein guter Inhalt einfach als gute Voraussetzung erwartet wird. Ihm ist auch bewusst, das es stets die Methoden und die Strukturen sind, also das "WIE", welche die Besonderheiten eines guten Trainings bzw. einer guten Ausbildung mit hohem Erfolg darstellen. Als hauptberuflicher Ausbilder, Coach und Führungskraft habe ich viele Methoden in den vergangen 13 Jahren kennengelernt. Da unsere Szene langsam in eine Phase kommt, in welcher ehrenamtliche Ausbilder versuchen einzelne Methoden als "ultima ratio" zu verkaufen, sehe ich es als notwendig an, aus einer beruflich-fachlichen Sicht dieses Thema kurz anzusprechen oder anzuleuchten.

"Didaktische Analyse ist das A und O!"

Verschiedene Inhalte und Lernziele erfordern verschiedene Methoden. Im Rahmen seiner Unterrichtsvorbereitung, der Didaktischen Analyse, wählt ein Ausbilder für die entsprechenden Ziele und Rahmenfaktoren die entsprechenden Lehr- und Lernmethoden. Ich bin nun seit 13 Jahren beruflich in der Ausbildung tätig, sowohl als Ausbilder/Lehrer sowie auch als Ausbilder für Ausbilder/Lehrer. Gerade in meinem Metiér, beim Militär ist es wichtig affektive, kognitive und psychomotorische Lernziele mit den entsprechenden theoretischen und praktischen Lerninhalten und den dazugehörigen Methoden und Mitteln so professionell und hochwertig als nur möglich zu erreichen. Schließlich geht es dabei um realen Kampf und reale Leben. Fechten als "Kampfsport" hat dabei die gleichen Anforderungen wie eine Nahkampf,- Schieß- und Kampfausbildung beim Militär. Die theoretischen Inhalte erfordern andere Methoden als die praktischen. Und selbst innerhalb der jeweiligen Kategorie müssen je nach Zielstellung und Lernzielstufe/ Taxonomie unterschiedliche Methoden gewählt werden. Nie kann eine einzelne Methode das "ultimative Mittel" zum Erfolg sein.

"Methoden werden in der didaktischen Analyse nach Lernzielen, Lernzielstufen, Inhalten und 4 weiteren Rahmenbedingungen gewählt."

Auch in der Ausbildung bzw. Vermittlung von Bewegungen bedarf es unterschiedlicher Methoden. In der Bewegungslehre wie auch der psychomotorischen Lernzieltaxonomie zeigen sich unterschiedliche Methoden für unterschiedliche Ausbildungsstufen, sowie für unterschiedliche Lerntypen. Es werden also am Anfang einer Ausbildung andere Methoden genutzt, als später, wenn erste Ziele erreicht wurden. Die typische und bis heute erfolgreiche Grundstruktur oder Rahmenstruktur ist dabei das sogenannte VENÜ (Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben) oder auch die " Vier-Stufen-Methode ". Diese eignet sich hervorragend, um Bewegungen zu erlernen, sodass der Schüler diese wahrnehmen, verarbeiten, nachmachen und unter einfachen Bedingungen üben kann. "Einfache Bedingungen" kann z.B. bedeuten eine Bewegung erst im Stand zu üben oder auch ohne Gegner bzw. ohne Waffe. In dieser ersten Stufe der Bewegungsvermittlung geht es darum dem Schüler das Bewegungsmuster zu vermitteln und einfache Fehler abzustellen. Fast immer müssen Bewegungsketten dabei in einzelne Kleinabschnitte und Teile zerlegt werden, die es einzeln und separat zu vermitteln und zu üben gilt. Je nach Komplexität der Bewegung ergeben sich auch hier wieder Besonderheiten der Methode, die der Ausbilder zu erkennen und zu meistern hat. Solche Erfahrungen werden bei einer Ausbildung von Ausbildern natürlich von den erfahrenen Ausbildern bereits weitergegeben.


"Erprobte Methoden sind bei jenen, die auch beruflich damit zu tun haben!"

Nach dem die Bewegung von der Stufe Grobkoordination zur Feinkoordination verbessert werden konnte, werden nun Methoden gewählt, um die Bewegung unter zunehmend schwierigen Bedingungen zu üben. Nicht nur beim Militär gibt es dazu verschiedenen Ausbildungsmethoden, egal ob bei der Nahkampfausbildung oder der Gefechtsausbildung. Auch in der Bewegungslehre allgemein werden dafür mehrere Methoden, je nach Bewegung und Komplexität gewählt. Aus der europäischen Fechttradition bzw. Kampfkunsttradition haben sich über die letzten mehr als 500 Jahre bestimmte Ausbildungsmethoden entwickelt, die gerade für das kampfnahe und komplexer werdende gefechtsnahe Training von Vorteil sind. Neben Lektionen und szeniariengeleiteten Übungsgefechten sind es vor allem Kampfnahe Übungen, die einen Schwerpunkt in der Vermittlung von Bewegungen im Übergang vom technischen zum technisch-taktischen Bereich setzen und dazu hervorragend geeignet sind. Hier sind Erfahrungen und Kompetenzen des Ausbilders vor allem im methodischen Bereich notwendig. Wurden Bewegungen zuerst in z.B. der VENÜ Methode isoliert und einzeln betrachtet, vermittelt und geübt, so werden sie nun komplex und taktisch geschult und unter zunehmend realeren Bedingungen wie zunehmendem Druck des Gegenfechters, zunehmender Geschwindigkeit, steigendem Stress und notwendig schnellem Reaktionsvermögen ausgeführt, korrigiert und der Schüler mit weiteren Coachingmethoden konditioniert und motiviert. Je nach steigender Intensität/Komplexität eignen sich unterschiedliche Methoden. Nicht zu vergessen ist unter den Rahmenbedingungen, das nicht jeder Schüler mit den gleichen Methoden ausgebildet werden kann. Jeder ist indivudell und auch das gehört zu den Kompetenzen eines guten Trainers bzw. Lehrers.


"Vom Einfachen zum Schweren, von Bekannten zum Unbekannten."

Wir sehen also eine grundlegende Struktur von der Vermittlung/Nachahmung von Bewegung in Teilbewegungen und auf grobmotorischer Ebene hin zur Feinmototik und zunehemnd komplexer werdenden Bedingungen. Als letzte Stufe haben wir dann bei isolierten bEwegungen die Feinstkoordination, in welcher der Schüler die Bewegung auf höchster Ebene beherrscht. In den Anwendung müssen solche Bewegungen dann in kampfnahen Übungen und Übungsfefechte umsetzen lernen, welche die höchste Komplexität und Intensität und damit auch die letzte Stufe vor dem Wettkampf oder Freikampf darstellen, in welchem die Erfolge letztlich gemessen werden. Wichtig dabei ist natürlich, dass zuerst über die erste Stufe mit z.B. VENÜ die Bewegung oder deren Teile bis hin zur Feinstkoordination und der entsprechenden Bewegungspräzision vermittelt werden und eine konstante Fehlerfreiheit der Bewegung erreicht wird. Erst mit dem Erreichen Feinkoordination wird auch in der Bewegungslehre zur Feinstkoordination übergegangen, welche die Bewegung unter wechselnden Bedingungen übt. Als Maß wird hier stets die Anzahl der Fehler bzw. die Kontunuität der Fehlerfreiheit genutzt. Dieser Lernweg vom Einfachen zum Schweren ist ein grundlegendes didaktisches Prinzip, das es unbedingt einzuhalten gilt.

"Beherrschen heißt eine Bewegung unter den schwierigsten möglichen Rahmebdingungen fehlerfrei ausführen zu können!"

Wie wichtig diese Grundstruktur ist, zeigt sich spätestens dann, wenn der Schüler seine Bewegungen unter realem Stress durchführen muss. So ist es etwa einfach einem Soldaten das Schießen im Stand auf auf einer Auflage beizubringen. Doch er muss auch unter den Eindrücken des Gefechst wie Beschuss, schreiende Menschen, spritzende Erde, Todesangst uvm. seine Bewegungen beherrschen und den Kopf weiterhin frei haben, um geistig aufnahmefähig zu bleiben und Entscheidungen treffen zu können. Beherrschen von Bewegungen bedeutet diese unter den schwersten denkbaren Bedingen fehlerfrei ausführen zu können, was wiederum im Unterrichte/Training durch den Lehrer/Ausbilder sichtbar und messbar gemacht werden muss. Auf das Fechten bezogen bedeutet dies z.B. im Thema Verteidigung/Versetzen, dass ein Fechter seine Verteidigungsvarainten auch im Wettkampf fehlerfrei ausführt, wenn all seine Taktiken und Strategien für den Angriff fehlgeschlagen sind und er von Häuen und Stichen seines Gegners überpoltert wird, wenn das Publikum laut schreit und anfeuert, und sogar den Gegner mehr anfauert, einen selbst ausbuht, man Angst hat, es der 21 Kampf des Tages ist und einen die Kräfte und der Mut zu verlassen scheinen.

Für solche extremen Situationen haben sich die bekannten Srukturen und Methoden bewährt. Und das nicht nur national, sondern auch international.

"Es gibt nicht DIE eine METHODE!"

Doch es gibt immer wieder jene, die meinen eine neue Allzweck-Methode erfunden zu haben und diese übermäßig promoten. Meist in dem Wunsch ein Monopol zu erreichen, welches in diesem Vielfältigen Umfeld ebenso unmöglich unnötig erscheint, was sich in den individuellen Rahmenbedingungen des Lernens wiederspiegelt.

"Wer in Einzelmethoden hängen bleibt, dem fehlt das entsprechende Verständnis für Ausbildungslehre."

Wer also mit DER METHODE wirbt, der zeigt ein fehlendes Verständnis für oder eine ungenügende Ausbildung im Fachbereich Ausbildungslehre. Nicht selten handelt es sich um eine Marketingstartegie, wobei eine bewährte Methode einen neuen Namen oder einen enuen Anstrich bekommt, um sie besser verkaufen zu können. Was nicht unbedingt negativ zu bewerten wäre, wenn jeder um diese Umstände wüsste. Denn durchaus peppeln viele Ausbilder bewährte Methoden gut auf. Ein guter Ausbilder entwickelt natürlich Methoden individuell weiter und kann sie situationsbedingt anwenden, abwandeln und erweitern. Aber in diesem Bereich ist das Rad schon lange Erfunden, sodass es vor allem eine gute Ausbildung des Ausbilders und seine Erfahrung sind, die seine Schüler zu ihren Erfolgen bringen. Methodische Vielfalt ohne Reizüberflutung ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Wer sich auf eine Methode beschränkt, der kann nicht im umfassenden Sinne didaktischer Prinzipien ausbilden.

"Es gibt für all dies tolle, bewährte Konzepte sowie Aus- und Weiterbildungen. Sucht euch gut ausgebildete und erfahrene Ausbilder!"

Wer sich in dieses Thema tiefer und hochwertig einarbeiten möchte, dem empfehle ich tatsächlich eine entsprechende Ausbildung bis hin zum B-Trainer oder A-Trainer oder entsprechende fachliche Weiterbildungen im Bereich von Seminarwesen, Coaching, Training. Am besten wäre natürlich die Trainerausbildung des DDHF zu besuchen. ;-)

"Das Ausbilden/Lehren kann man nicht aus Büchern lernen!"

Den Bereich Didaktik und Methodik allein theoretisch durch z.B. Bücher zu erschließen halte ich für nicht möglich. Es gibt aber durchaus einige Personen, denen das Lehren/Ausbilden im Blut liegt und die durch eine passende Sozialisation und entsprechende Erfahrungen richtig handeln, ohne es zu wissen. Aber im Bereich Ausbildung gibt es sehr gute Möglichkeiten für Ausbildungen bzw. Weiterbildungen, die einen voran bringen können, sodass niemand im Trockenen schwimmen muss.


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