Über Trainingsschwerter aus Stahl und mehr

Aktualisiert: 5. Aug 2019

Auch wenn derzeit Übungswaffen aus Kunststoff auf Grund der geringen Kosten stark zunehmen, so bleibt doch das Übungsschwert aus Stahl stets das Objekt der Begierde. Denn genau das ist es doch, was ein Schwert ausmacht – eine Klinge aus Stahl. Hau- & Stoßwaffen zeichnen sich durch scharfe und/oder spitze Klingen aus. Das Training im Fechten konzentriert sich neben dem Ringen daher auf die sogenannten 3 Wunder: Hau, Stich und Schnitt.

Seit jeher wurden für das Training stumpfe und sichere Trainingswaffen/Übungswaffen hergestellt. Wir wissen von Übungsschwertern aus Holz, Leder und Stahl. Eine Trainingswaffe muss also so gestaltet sein, dass mit ihr das Ziel der Fechtausbildung oder zumindest eines jeweiligen Unterrichts bzw. einer Kursstunde, Lektion oder sogar nur einer Übung erreicht werden kann. Ist das Ausbildungsziel eines Kurses oder einer ganzen Schule z.B. das Einstudieren der Fechtstücke ohne größeren Gegnerkontakt, wie etwa im Asiatischen, so können andere Trainingswaffen genutzt werden, als wenn das Ausbildungsziel z.B. in einem Gefechtstraining ist, das der Fechter Stiche in Freikampf und Wettkampf beherrscht.


Weitere Faktoren müssen neben dem Ausbildungsziel auch die Gesundheit und das körperliche Training sein. So muss auch darauf geachtet werden, dass im Sinne der Faktoren von Bewegungslehre die korrekte Ausführung einer Bewegung erlernt wird, was viele Wiederholungen bedeutet. Da ein Sportler sich stets zuerst im Bereich der Grobmotorik befindet und erst nach sehr vielen Wiederholungen über einen langen Zweitraum hinweg die Feinmotorik entwickelt, ist es zu Beginn der Ausbildung gar nicht notwendig, sich z.B. an ein realistisches Gewicht oder eine realistische Form der Trainingswaffe zu halten. Für das grob motorische Bewegungslernen reichen im Fechten viel einfachere Dinge, wie Stöcke oder oft auch spielerische Elemente mit anderen Geräten, wie etwa Badminton, Ballspiel und vieles Anderes. So ist es durchaus sinnvoll, Haubewegungen zuerst mit einem sehr leichten Gegenstand zu üben, um schnell auf hohe Wiederholungszahlen zu kommen. In unserer Grundlagenausbildung sind mehrere tausend Haubewegungen in einer Kursstunde durchaus normal. Auch wenn sie in Spiele und interessante Übungen eingebunden sind, so sind es doch tausende Häue. Dies passt auch wunderbar zum Bereich der Trainingslehre, denn der Körper muss Muskeln und Sehnen an die neue Belastung nach und nach gewöhnen, was bedeutet, dass Fortschritte in den Bereichen des Trainings, also Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit ganz individuell und auch nicht parallel zunehmen. Sehnen brauchen länger als Muskeln, um sich an Belastungen zu gewöhnen und Knochen länger als Sehnen (Wochen->Monate->Jahre).


Zuletzt ist da natürlich der über Allem schwebende Faktor der Sicherheit der Fechter, die stets im Vordergrund stehen sollte. Und auch hier lässt sich nur sagen. Es kommt auf die Ziele an. Für das Einstudieren der Fechtstücke benötige ich weniger Schutzausrüstung, als für das Gefechtstraining. Und so kann ich, wenn ich entsprechend im Training fortgeschritten bin in einem solchen Kurs auch mit dem steifen 1,3 Kg Messer oder Schwert oder dem 1,6Kg Langen Schwert üben, ohne mich und meinen Partner in größere Gefahr zu bringen. Im Gefechtstraining sowie Übungs- und Wettkampfgefechten hingegen benötige ich neben einer guten Gewaltsensibilisierung eine sichere Waffe in Hau und Stich, die leicht und flexibel ist, sodass kein gegenseitiges Wettrüsten der Schutzkleidung stattfinden muss und der Fechter möglichst kaum in seiner natürlichen Bewegung eingeschränkt wird. Dabei sollte die Waffe so nah wie möglich dem Gefühl einer historischen Waffe gleich kommen. Doch schon da streiten sich die Gemüter seit Jahrhunderten. Denn selbst der Fechter hat und hatte hier stets seine eigenen Wünsche, wenn er eine echte Waffe wollte. Das Ziel ist aber eine Waffe, welche möglichst die historischen Techniken in Hau und Stich ermöglicht. Sie sollte also bei korrektem Gebrauch nicht allzu sehr vibrieren oder wabbeln, ein gutes Bindungsverhalten aufweisen, also nicht einfach weggedrückt werden, weil sie nicht steif genug ist, im Stich biegsam genug sein, um dem Gegner keine schweren Verletzungen am Körper beizufügen und wenig Schutzausrüstung zu gebrauchen. Und auch im Hau wenig Impuls in den Gegner übertragen, sodass es auch hier nicht zu Verletzungen kommen kann bzw. diese eingeschränkt werden. Gerade das Thema Wabbeln der Klinge ist hier heiß umstritten, da auch historische Originale sehr flexible Klingen hatten, die zum Teil bei Impulsen auf die sehr stark wabbeln können. Bei korrektem Gebrauch der Schneide wabbeln auch sehr dünne und flexible Klingen nicht.


Allein mit diesen wenigen eingebrachten Faktoren einer didaktischen Analyse kann ersichtlich werden, dass sich das Unterrichtsmaterial und damit auch die Eigenschaften von Übungswaffen ganz nach den Bedürfnissen der Ziele einer Schule, eines Vereins oder der jeweiligen Kurse und Ziele innerhalb dieser Gruppierungen bestimmen lassen. In meinen Unterrichten und Trainings gibt es z.B. Kursstunden, in denen wir zwecks verschiedener Grobziele und Methoden dazu auch verschiedene Übungswaffen nehmen. Manchmal brauchen wir in der ersten Übung eine Schaumstoffwaffe, in der zweiten ein Nylonschwert, zum Techniktraining ein realistisches Stahlschwert und für Übungsgefechte wiederum einen sicheren Simulator. Bei mir gibt es Kurse, die sich rein an dem Stückefechten ohne größeren Gegnerkontakt orientieren und es gibt Kurse, in dem die Schüler das Fechten unter möglichst realistischer Geschwindigkeit und Gefechtsbedingungen lernen und üben. So kann jeder den Schwerpunkt im Fechten suchen, den er liebt. Und viele machen beides.


Die aktuell von mir und meinen fachlichen Beratern und Geschäftspartnern entwickelten Produkte zielen eher auf die Gruppe Freikampf, Wettkampf, Gefechte ab, als auf den Bereich des Einstudierens von Fechtstücken. Es sei denn, dass diese wie bei uns dann auch mit voller Geschwindigkeit und Intention trainiert werden. Dann ist die Ausrüstung auch dafür gedacht. Schwertsimulatoren, die versuchen originalen zu gleichen und für das Techniktraining optimiert sind gibt es aus unserer Sicht genug. Und dabei vieles gutes. Aber die oben genannten Ansprüche an Übungswaffen und Ausrüstung für Gefechtstraining und Gefechte, wie wir sie uns vorstellen, konnten bisher nicht erfüllt werden. Die üblichen Probleme sind die schlechte Beweglichkeit und das hohe Gewicht der Schutzausrüstung. Welche wiederum so schwer und kräftig sein muss, da die Waffen nicht an Wettkampfformate angepasst werden, sondern z.B. das Originalgewicht behalten. Zudem gibt es kaum Schwertsimulatoren, die im Stich eine angenehme Biegsamkeit ohne negative Nebeneffekte aufzuweisen. Angenehm bezieht sich dabei auf den Umstand, dass der Getroffene mit wenig Schutzausrüstung keine Verletzungen zu befürchten hat. Das Ziel ist es, dies zu verbessern. Und wir sind mit den bisherigen Schwertern, die Viktor BERBEKUCZ für uns nach unseren Wünschen gemacht hat genauso zufrieden, wie mit der Klinge von UHLMANN und der Fechtjacke von LEON PAUL. Mehr zu diesen Produkten werde ich hier in den kommenden Wochen posten, wenn der schwarze Jackenprototyp fertig und der Schwertsimulator mit Uhlmannklinge komplett ist. Und ja, es wird auch eine Variante für Langes Schwert geben. 😉


Bei Fragen schreibt mir gern.




IN MOTU Einhandschwerter in Kooperation mit VB Swordshop



PROTOTYP der IN MOTU GEFECHTSKLINGE in Kooperation mit UHLMANN


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